Eurasische Wirtschaftsunion: Wirtschaft kühlt ab

_ Dominik Vorhölter, GTAI. Bonn. 18 Dezember 2019.

Strukturschwächen hemmen Investitionen und Wachstum. Private Unternehmer scheuen sich, in die Wirtschaft zu investieren. Zusätzlich dämpfen die lahmende Weltkonjunktur und niedrigere Preise für Öl und Gas das Wachstum.

Kasachstan ist, gemessen an der Leistung, die zweitgrößte Volkswirtschaft des Bündnisses. Es folgen Belarus, Armenien und Kirgisistan. Problematisch ist, dass die Länder ungleich entwickelt sind und Russland die EAWU dominiert. Dadurch wirken sich auch die Sanktionen der Europäischen Union und der USA auf alle Mitgliedstaaten aus.

Quellen: Russland: Föderaler Statistikdienst Rosstat, Deutsche Bundesbank; Belarus: Internationaler Währungsfonds; Statistisches Bundesamt; Kirgisistan: Kirgisische Regierung, Zentralbank Kirgisistans; Kasachstan: Kasachisches Komitee für Statistik; Zentralbank Kasachstans, Armenien: Zentralbank Armeniens, Internationaler Währungsfonds, Weltbank

Zudem bremsen sich die fünf Länder untereinander aus. Die kleineren Staaten fürchten größeren politischen Einfluss Russlands. Das verzögert immer wieder Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse, die nötig sind für die Harmonisierung der Zollpolitik und der technischen Regulierung sowie für die Gründung der gemeinsamen Märkte für Erdöl, Erdgas, Strom, Finanz- und Transportdienstleistungen.

Wirtschaftliche Eckdaten der Eurasischen Wirtschaftsunion 2018

BIP (nominal, Mrd. US$) BIP pro Kopf (US$) Bevölkerung (Mio.) Import (Mrd. US$) Export (Mrd. US$)
Russland 1.652,6 11.257,5 146,8 249,1 444,0
Kasachstan 179,3 9.813,0 18,3 32,5 61,0
Belarus 59,6 6.283,0 9,5 38,4 33,9
Armenien 12,4 4.175,5 3,0 5,0 2,4
Kirgisistan 8,1 1.332 6,4 5,3 1,9

Quellen: Russland: Föderaler Statistikdienst Rosstat, Deutsche Bundesbank; Belarus: Internationaler Währungsfonds; Statistisches Bundesamt; Kirgisistan: Kirgisische Regierung, Zentralbank Kirgisistans; Kasachstan: Kasachisches Komitee für Statistik; Zentralbank Kasachstans, Armenien: Zentralbank Armeniens, Internationaler Währungsfonds, Weltbank

Russland: Regierung fährt Sparkurs

In Russland sind die real verfügbaren Einkommen auf Euro-Basis seit 2012 rückläufig. Ursächlich hierfür sind ausbleibende Investitionen, eine geringe Arbeitsproduktivität und infolgedessen eine sinkende Industrieproduktion. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe von Markit Economics lag im Dezember 2019 um 4,4 Prozent unter der Referenzmarke von 50 Prozent. Die Industrie ist im November 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,1 Prozent geschrumpft.

Um diese strukturellen Schwächen aufzufangen, setzt die Regierung auf einen stabilen Haushalt. Mehreinnahmen gab es zwar aus der Anfang des Jahres von 18 auf 20 Prozent erhöhten Mehrwertsteuer. Doch die öffentlichen Investitionen starteten schleppend. Die angekündigten Ausgaben für Infrastruktur, Schulen und Krankenhäuser hat Russland auf 2020 verschoben.

Auch die Privatwirtschaft behält ihr Geld. Für Projekte und Investitionen fließen hauptsächlich Mittel vom Staat. Russland versucht deshalb, mit billigerem Geld private Investitionen anzukurbeln. Die Zentralbank hatte am 17. Dezember 2018 den Leitzins um 0,25 Basispunkte auf 7,75 angehoben. Erst im Juli 2019 senkten die Währungshüter den Leitzins wieder. Seit dem 13. Dezember 2019 liegt er bei 6,25 Prozent. Er dürfte weiter sinken, um die Wirtschaft in Schwung zu halten.

Kasachstan: Land kämpft mit strukturellen Schwächen

Kasachstans Wirtschaft wächst stabil, dank seiner Rohstoffe. Vor allem Erdöl schmiert den Wirtschaftsmotor. Das Energieministerium rechnet beispielsweise für 2019 mit einer Steigerung der Erdölförderquote um 3 Prozent. Somit wird  das BIP 2019 voraussichtlich knapp über dem Niveau des Vorjahres liegen.

Dennoch muss die Regierung strukturelle Schwächen beseitigen. Die verarbeitende Industrie ist nicht ausreichend entwickelt. Das Land muss einen nicht unerheblichen Teil seines Bedarfs an Konsum- und Investitionsgütern durch Importe decken. Größte Handelspartner sind Russland und China. Die Entwicklung der beiden Länder beeinflusst die kasachische Konjunktur stark.

Belarus: Russischer Konjunkturknick bremst

Die russische Wirtschaft wirkt negativ auf kleinere Länder. Besonders leidet die belarussische Wirtschaft. Das Land ist abhängig von Subventionen und Erdöllieferungen des großen Nachbarn. Belarus wird 2019 ein BIP-Plus von nur 1,3 Prozent erreichen (2018: 3,0), schätzt das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw).

Armenien: Stabiler Export stützt Wachstum

Armenien profitiert von einem stabilen Export – hauptsächlich Bauxit, Zink und Kupfer. Seit Mai 2018 besteht eine Freihandelszone mit Iran. Geopolitische Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien trüben allerdings die Aussichten auf florierende Geschäfte. Auch die Rahmenbedingungen in Armenien selbst bleiben schwierig: Der Konflikt mit Aserbaidschan um die Region Bergkarabach ist nach wie vor ungelöst. Zudem gibt es Spannungen mit der Türkei. Überdies ist das Land wirtschaftlich stark von Russland abhängig.

Kirgisistan: Goldexporte und Rücküberweisungen sind Wachstumstreiber

In Kirgisistan stützen Rücküberweisungen von hauptsächlich in Russland beschäftigten Kirgisen die Wirtschaft. Im vergangenen Jahr sind sie um etwa 400 Millionen US-Dollar eingebrochen, ausgehend von 2,7 Milliarden im Jahr 2017. Dieses Jahr erwartet die Zentralbank Rücküberweisungen in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar. Mit Geld von Verwandten aus Russland decken viele Familien ihren Bedarf an Konsumgütern. Kirgisistans Wirtschaft ist zudem sehr stark vom Verkauf des Goldes aus der Mine Kumtor abhängig. Im ersten Halbjahr dieses Jahres entfielen 64 Prozent des BIP auf den Goldexport.

Die kleinsten Volkswirtschaften der EAWU – Armenien und Kirgisistan – wachsen gemäßigt um jeweils 0,8 bis 1,0 Prozentpunkte.

Deutschland ist wichtigster Handelspartner

Die Mitgliedstaaten importierten im 1. Halbjahr 2019 Waren im Wert von 15,4 Milliarden US-Dollar aus Deutschland. Davon entfallen etwa 70 Prozent auf Maschinen und Medizinprodukte. Im Gegenzug lieferten die EAWU-Länder Waren im Wert von 15,4 Milliarden US-Dollar in die Bundesrepublik. Davon sind rund 70 Prozent mineralische Brennstoffe.

Quelle: Germany Trade & Invest

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