Die Eurasische Ideologie ist der wahre Liberalismus

_ Jurij Kofner, Vorsitzender der Eurasischen Bewegung Russlands. Moskau, 16. September 2017.

Die ARD giftete kürzlich gegen COMPACT-Korrespondent Jurj Kofner. Aus der Klarstellung erwuchs ein tiefsinniges Gespräch über die ideologischen Säulen des Westens und Ostens.

Am Dienstagabend, den 12 September 2017, strahlte der ARD den Beitrag „Eurasien-Konzept findet Anhänger bei Linken und bei AfD“ aus, in dem jede Menge Unwahrheiten über den COMPACT-Korrespondenten Jurij Kofner und seine Dokumentation Sanfte Besatzung, die am 12. August 2017 auf dem AfD-Russlandkongress in Magdeburg prämierte, verbreitet wurden.

Das wollte Kofner natürlich nicht auf sich sitzen lassen und gab kurzerhand dem Anonymblogger „Young German“ ein Interview, welches wir an dieser Stelle auf COMPACT veröffentlichen.

YG: Herr Kofner, Sie sind dem MDR kürzlich als Macher des RT-Dokumentationsfilms Sanfte Besatzung aufgefallen, in welchem Sie Abgeordnete der Linken und der AfD interviewen, die ihre Position untermauern: nämlich, dass der US-amerikanische Einfluss auf Europa insgesamt skeptisch zu betrachten ist.

Sie haben dafür unter anderem Herrn Gehrcke von der Linkspartei interviewen können. Laut MDR sei dieser nun ein Befürworter einer „Eurasischen Union“ als politisches Gegengewicht zu EU und USA und zusammen mit den russlandfreundlichen Abgeordneten der AfD eine mögliche Gefahr für unsere freiheitliche Gesellschaft. Hat der MDR hier richtig geschlussfolgert?

Kofner: Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass ich Herrn Gerhcke sehr schätze. Er ist für mich im besten Sinne des Wortes ein deutscher Linker, ein Altlinker, der immer noch anti-imperialistisch ist und nicht dem Kulturmarxismus anhängt. In dem Beitrag wird entgegen der Fakten behauptet, ja gelogen, dass Gerhcke behauptet hätte, er würde gerne eine Eurasische Union in Europa sehen. Das ist einfach falsch und wurde von ihm so nicht gesagt und auch in keiner Silbe in dem Dokumentationsfilm gezeigt. Da hat der MDR ihm und uns etwas in den Mund gelegt, was einfach nicht stimmt.

Dabei wurde es direkt negativ betont, als sei eine friedliche ökonomische und kulturelle bzw. politische Kooperation im Raum zwischen Lissabon bis Wladiwostok etwas bedrohliches für Europa und Deutschland. Das heißt im Klartext nur, dass es ein friedliches Bündnis zwischen der Europäischen Union und einer Eurasischen Union geben würde und nicht, dass ich oder Herrn Gehrcke sich eine Auflösung der EU und Ersetzung der EU durch eine Eurasische Union wünschen. Das hat niemand jemals so behauptet. Was wir wollen, ist eine gleichberechtigte Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen EU und Eurasien. Hier wird wieder das alte Klischee bedient, dass die Russen Europa erobern und unterdrücken wollen und die Idee von einer Eurasischen Union wird als Schreckgespenst aufgebaut, als vermeintliche Gefahr für die freiheitliche Gesellschaft des Westens.

YG: Ist das aber nicht so? Der MDR erwähnt ja auch Herrn Alexander Dugin, der ja von Hans-Thomas Tilschneider, dem kulturpolitischen Sprecher der AfD in Sachsen-Anhalt in seine Rede auf der Russlandkonferenz eingebaut wurde. Tilschneider behauptet nun, dass der US-amerikanische Liberalismus in nächster Zeit enden würde. So ähnlich argumentiert auch Alexander Dugin, der den Tod westlicher Ideologien sieht und Eurasien als Zukunft Europas betrachtet. Man kann das durchaus als den Wunsch nach Machtübernahme von russischer Seite aus deuten, wenn die ideologischen Säulen des Westen zusammenstürzen, dass dann die sog. vierte politische Theorie aus Russland in die Bresche springen soll.

Kofner: Nein, also ich muss dieser Deutung widersprechen. Denn die Idee von Eurasien ist keine Kampfansage an den Liberalismus, auch nicht an den Kommunismus und nicht an den Konservatismus. Das Problem, dass wir Vertreter der Eurasischen Idee im Liberalismus aber sehen ist, dass er bereits zum Post-Liberalismus verkommen ist. Der Westen hat die politische und ideologische Hegemonie auf der Welt, verbreitet aber durch Interventionspolitik, Farbenrevolutionen und Kriege keinen Liberalismus mehr. Die gelebten freiheitlichen Ideen der Liberalen, wie Adam Smith oder John Locke, finden doch gar keine Verwirklichung in der Politik des Westens mehr, vor allem nicht in der Außenpolitik und auch nicht in der Innenpolitik. Nehmen wir nur das Beispiel des NSA-Abhörskandals und die Eingriffe in die Bürgerrechte. Der heutige Liberalismus nennt sich liberal, ist es aber nicht mehr.

Es ist also genau andersherum! Die Eurasische Ideologie ist für Demokratie, für Freiheitsrechte und Selbstbestimmung. Im Westen geht der Liberalismus in Konsumgesellschaft, Kulturmarxismus und dem vermeintlichen Kampf gegen den Terror unter. Ein Kampf, der als Vorwand dient, um die liberalen Bürgerrechte der Bevölkerung immer weiter einzuschränken und auszuschalten. Immer mehr Gesetze werden verabschiedet, um die Freiheit der Bürger im Westen einzuschränken. Wir sehen das sehr kritisch und sind nicht gegen, sondern in der Wahrheit für die echten Liberalen bzw. Libertären, die diese Vorgänge im Westen sehen und die Abschaffung von Freiheitsrechten nicht hinnehmen wollen.

YG: Die Befürchtung besteht sicherlich, dass die „Eurasische Union“ ein von Russland dominiertes Politkonzept ist, welches auf lange Sicht darauf abzielt, die USA als dominante Macht im Westen abzulösen. Dieser Vorwurf wird auch im Bericht des MDR getätigt. Russland ziele darauf ab, den politischen und geistigen Einfluss der USA in Europa zurückzudrängen und Europa dann zu dominieren.

Kofner: Diese Furcht kann ich nicht teilen. Die Eurasische Union, die Idee, wird nicht von Russland  alleine vertreten und zielt auch nicht darauf ab, die EU oder die USA politisch in Europa zu ersetzen oder zu besiegen. Wir haben wirtschaftliche Ziele, die sich mit den Interessen der Deutschen und des Westens decken und zum Vorteil aller Parteien sein sollen. Die Idee der eurasischen Wirtschaftsintegration ist auch sehr demokratisch, da sie auf bilateraler Zustimmung der Nationen beruht. Im Vertrag der Eurasischen Union steht geschrieben, dass sich die Mitgliedsstaaten nicht in die inneren Angelegenheit der anderen Mitglieder einmischen dürfen. Das heißt also, dass die Eurasische Union, anders als die EU, niemals in die internen Angelegenheiten der Mitglieder eingreifen würde. Es ist keine politische Instanz, sondern eine wirtschaftliche Brücke zwischen Europa und Asien, von der alle profitieren sollen, wenn sie das möchten. Die Idee ist pragmatischer.

Die Eurasische Union setzt sich aus fünf Mitgliedsstaaten zusammen: Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Weißrussland, Armenien. Russland hat zwar 85% des Inlandsproduktes der Eurasischen Union und besitzt trotzdem nur eine Stimme innerhalb der Union. Wo ist das undemokratisch? Russland kann seine Partner so nicht dominieren. Die Behauptungen des MDR sind lächerlich.

Quelle: https://www.compact-online.de/

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